Giuliano Bossi, Tagebuch eines Kapitäns

 
Giuliano Bossi ist einer unserer erfahrensten Kapitäne: 1945 in Manarola geboren, einem charmanten Dorf in der Cinque Terre an der ligurischen Küste in Italien, wuchs Giuliano Bossi in einem bunten Haus mit Blick auf das Meer auf. Seine Familie betrieb nicht nur Weinbau, sondern stellte auch die ortstypischen Stützmauern auf. Bossi erzählt: „Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte hier große Armut und es gab kaum Arbeit. Einige der Dorfbewohner beschlossen, zur See zu gehen. Nach ihrer Rückkehr hörte ich ihre bezaubernden Geschichten und fing an zu träumen. Dank eines Buchstabierbuchs in der Grundschule verliebte ich mich in das Meer: Das Bild eines thailändischen Wasserträgers hat mich sehr beeindruckt und mir wurde klar, dass es im Leben besser ist, einmal zu sehen, als hundertmal zu hören.“

Giuliano Bossis Schicksal wurde von dieser exotischen Zeichnung inspiriert. Er besuchte eine Mittelschule, gefolgt vom Institut für Nautik in La Spezia. „Diese großartige Schule des Lebens brachte mir bei, das Meer zu lieben, die Seefahrt-Tradition zu respektieren und stolz auf meine beruflichen Erfolge zu sein.“

Nachdem ich die Schule beendet hatte, wusste ich genau, was ich wollte: Ich wollte unbedingt auf einem Schiff arbeiten. Ich begann meine Karriere auf dem Transatlantik-Passagierdampfer „Leonardo da Vinci“ und befuhr danach die transatlantischen Routen mit Frachtschiffen. Ich war 32 aufeinanderfolgende Monate an Bord, während das Schiff von Hafen zu Hafen fuhr. Das Meer war zu meinem Leben geworden und ich kam zu MSC Cruises, als das Flottenerweiterungsprogramm begann. 2008 arbeitete ich mit Rafaela Aponte an der Gestaltung der MSC Fantasia.

Die Flaschen von Messina
„Es war vor langer Zeit, im Jahr 1965: Auf einer meiner ersten Reisen legte ich als Kadett an Bord eines Öltankers eine Strecke zwischen Frankreich und Ägypten zurück. Man kann sich das in unserer heutigen, vernetzten Welt kaum vorstellen, aber die Kommunikation mit der Familie daheim war damals sehr schwierig. Telefonate waren praktisch unmöglich und kosteten ein Vermögen. Deshalb wollten wir unseren Zwischenstopp in Augusta (Sizilien, Italien) dazu nutzen, um unsere Briefe an Familie und Freunde zu verschicken. Leider mussten wir aufgrund eines technischen Problems den Zwischenstopp streichen. Ich war traurig und entmutigt. Mein Kapitän versicherte mir allerdings, ich solle mir keine Sorgen machen, trotzdem einen Brief schreiben und eine Flasche bereithalten. Zuerst habe ich nicht wirklich verstanden, was er im Sinn hatte. Dann wurde es mir klar, als wir in die Straße von Messina einfuhren. Die anderen Offiziere hatten ihre Briefe zusammen mit einem Geldschein in ihre Flaschen gesteckt. Wir warfen die Flaschen also ins Meer und die Fischer von Messina kamen mit ihren Ruderbooten an das Schiff heran und sammelten die Flaschen ein. Als sie das Ufer erreichten, versandten sie die Briefe für uns. Die Nachrichten kamen immer problemlos zu Hause an. So blieb ich über mehrere Monate mit meiner Familie in Kontakt, und ich bin den genialen, freundlichen Fischern, die einen so ungewöhnlichen wie effizienten Postdienst erfunden hatten, immer noch dankbar. Auch wenn die Briefe bei Ihrer Ankunft manchmal ein bisschen feucht waren.“